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Unsere Geschichte: Die 1960er Jahre

 Das schwarze Jahrzehnt

 

 

Nach den tiefen Einschnitten der 1950er Jahre, die die Einheit durch die massiven Abgänge auf eine Kompaniestärke stutzte, blieb kaum Zeit für die Versorgung der Wunden.

Zu groß waren die Ansprüche und die Anforderungen der britischen Seite. Mit Sicherheit war die große Skepsis gegenüber der deutschen Einheit nicht mehr so sehr spürbar, dennoch musste die GSO-Leitung den wachsenden Vorgaben nachkommen.

Die große Herausforderung war natürlich die klassische Aufgabe, die zugewiesenen Objekte zu schützen und den Ablauf mit dem verbliebenen Personal reibungslos zu gewährleisten. Inzwischen waren neben den ersten Wachobjekten, die in den 1950er Jahren übernommenen wurden, zusätzliche avisiert. Aufgrund der Personalstärke setzte man geplante Vorhaben jedoch erstmal nicht um, baute dafür aber Schutzmaßnahmen in den bereits übernommenen Objekten aus.

So wurden Postierungspunkte im britischen Hauptquartier eingerichtet, die heute noch aufgrund deren Örtlichkeit als „Teehaus“ oder „Transmitter Station“ bekannt sind. Bei dem Teehaus handelte es sich um ein zeitgenössisches Überbleibsel, in dessen unmittelbarer Nähe ein Postierungspunkt eingerichtet wurde. Das Teehaus lag geografisch – grob beschrieben – zwischen der Waldbühne und dem Mitteltor des Hauptquartiers. Zwei eingesetzte Hundeführer bestreiften damals die Murellenschlucht zwischen dem äußeren Bereich des Osttors und dem unteren Bereich außerhalb des britischen Offiziersclubs. Ein, je nach Wetterlage, mehr oder weniger beliebter Posten für die Hundeführer der GSO.

Auch wenn zunächst nur der britische Yachtclub als neues Wachobjekt hinzukam, so stellte die wachsende Sicherheitslage auch die GSO vor immer größere Herausforderungen.

Aus heutiger Sicht, man würde von „Gefahren- und Gefährdungsanalyse“, „Sicherheits- und Kräftemanagement“ sprechen, ein schier unlösbares Problem bei der damals dünnen Personalstärke, die zahlenmäßig noch nicht genau verifizierbar ist.

Zu jener Zeit standen aber auch ganz andere Probleme ins Haus, die sich insbesondere darauf aufbauten, dass viele Führungsoffiziere, darunter Chief Superintendent Hans Horn als zweiter Mann der GSO, der englischen Sprache ausreichend mächtig waren und somit bei wichtigen Gesprächen stets auf Dolmetscher zurückgreifen mussten. Ein Umstand, der für die Militärregierung immer weniger hinnehmbar erschien.

 

10 Jahre GSO

Staff Superintendent Johannes Gohl (Mitte) mit Führungsoffizieren bei der 10-Jahres-Feier der GSO

 

10 Jahre GSO-2

Günter Lenz (links) und Wolfgang Schiller (rechts) erlebten die gesamten 44 Jahre der Einheit im aktiven Dienst

 

In der Smuts-Kaserne hat man mit Sicherheit etwas geahnt, jedoch kaum reagiert. Im Dezember 1960 feierte man sich und die nunmehr 10 Jahre bestehende Einheit als einen festen Bestandteil der britischen Streitkräfte Berlins. Dennoch war es zu jener Zeit vor allem Johannes Gohl zu verdanken, dass die GSO ihren sicheren Platz gefunden hat. Große Unterstützung erfuhr der Dienststellenleiter hierbei auch durch den Regimentskommandeur Major Sanders, der als großer Förderer der Einheit galt und regelmäßig auf Smuts Barracks zu Gast war – wenn auch meist wegen hoch offizieller Anlässe.

1961 wurde die GSO wieder einem neuen Regiment zugeschlagen, das inzwischen ihr fünftes nach Gründung war. Mit Unterstellung unter das Kommando des britischen Majors L. W. Ruchbrooke war die GSO ab 1961 an das Royal Pioneer Corps (RPC) angegliedert, das bereits seit 1939 bestand und bis dessen Auflösung im April 1993 eine klassische britische Versorgungseinheit für technische Aufgaben war und ihren Ursprung im bekannten Labour Corps (1915-1921) hatte.

Da es sich nach allgemeinem militärischen Verständnis bei der GSO mehr um eine halbmotorisierte Infanterieeinheit gehandelt hat, erschien der Wechsel über die Artillerie zu den Pionieren wenig nachvollziehbar. Letztlich spielte die Regimentszugehörigkeit nur bei der Brigadeführung, die im Verteidigungsfall das damalige Kräftemanagement hätte steuern müssen, eine Rolle. Bei den einzelnen Guards, die jetzt quasi Pioniere waren, mit Sicherheit nicht.

 

Der Hundezug bleibt das Aushängeschild der Einheit

 

Einen großen Namen machte sich die GSO vor allem wegen ihrer nicht nur in der Brigade berüchtigten Hundestaffel, die in ihrer Art einzigartig bei den militärischen Wacheinheiten Berlins war. Keine andere Truppe verfügte über eine solche Staffel, auch nicht die in Battalionsstärke aufgestellte Schwestereinheit bei den amerikanischen Streitkräften, dem gerade umbenannten 6941st Labour Service Center.

Allerdings agierte die Hundestaffel nicht, wie oft falsch dargestellt, als selbstständiger Wachzug, sondern war vielmehr in die bestehenden Sektionen integriert. So besetzten die Hundeführer vornehmlich jene Objekte, die aufgrund der spezifischen Möglichkeiten und der jeweiligen Gefährdungslage für den Einsatz von Diensthunden geeignet waren.

Zudem muss man wissen, dass die Tiere durch das Militär von Beginn an als Waffe und nicht als Hilfsmittel eingestuft wurden. Dies bezog sich natürlich keinesfalls auf eine „besondere Gefährlichkeit“ der Hunde, sondern unterstrich vielmehr deren rechtliche Einstufung, was auch Auswirkungen auf die Androhung eines Hundeeinsatzes gegen Personen und natürlich den Einsatz des Tieres selbst hatte.

Es war das Manko der ersten Jahre, dass man sich als neue Einheit auf schnellstem Wege einen guten Namen machen wollte – was grundsätzlich auch gelang. Da nahm man es auch in Kauf, gewisse Vorgaben nicht zeitgerecht umzusetzen, um zumindest ein erstes solides Ergebnis vorweisen zu können. Im neuen Jahrzehnt drängte man die GSO aber, ihre Hundestaffel noch professioneller zu gestalten und vor allem im Bereich der Aus- und Fortbildung, den britischen Einheiten anzugleichen.

 

Hundetraining

Noch unter britischer Aufsicht: Das GSO-Hundetraining in den 1960er Jahren

 

Foreman Gerhard Jabs, der seit 1952 mit der Führung der neu aufgestellten Hundestaffel betraut und am Ende des letzten Jahrzehnts zur Bundeswehr gewechselt war, hatte beispielsweise keinen festen Dienstposten und auch keine ausreichende Qualifikation als Chef des Hundezuges. Dessen Nachfolger Heinz Radtke, der sich noch immer durch einen im Hundewesen voll ausgebildeten britischen Sergeant kontrollieren lassen musste, drängte GSO-Chef Johannes Gohl immer mehr zu einer Lösung. Bei der bestehenden Personalstärke war es Gohl aber ein Dorn im Auge, alle Hundeführer vollwertig ausbilden zu lassen und zudem die in der Einheit für das Hundewesen Verantwortlichen für zusätzliche Führungslehrgänge freistellen zu müssen.

1961 änderte sich dies aber, denn bei der GSO wurde, wie es bei den anderen militärischen Einheiten mit Diensthunden üblich war, erstmals der Posten des Kennelmasters eingerichtet. Dieser war für die Belange der Diensthunde und auch eingeschränkt für die der Hundeführer zuständig. Er führte die Dienstaufsicht im Kennel und unterstand einem für den Hundezug zuständigen Unteroffizier – zu diesem Zeitpunkt Foreman Heinz Radtke.

Staff Superintendent Johannes Gohl war es von Beginn an wichtig, relevante Schlüsselpositionen durch eigene Kräfte zu besetzen, denn zu jener Zeit lief man Gefahr, dass der Posten des Kennelmasters durch einen britischen Unteroffizier besetzt würde, so wie im Falle des ersten Quartiermeisters Harold Spencer. Hinzu kam der ohnehin bekannte Umstand, dass bis zur Etablierung des ersten Kennelmasters, das gesamte Hundewesen formal auch noch der Kontrolle eines britischen Sergeants unterstellt war, der morgens in die Kaserne kam und die Aus- und Fortbildung mit überwachte sowie gesonderte Übungen und Nacht-Einsätze für die Hundeführer festlegte und durchführte. Die Besetzung durch eigenes Personal setzte natürlich voraus, dass sich die GSO-Hundeführer durch Aus- und Fortbildungslehrgänge, die überwiegend in Paderborn-Sennelager stattfanden, ebenso qualifizieren mussten, wie die in Deutschland stationierten britischen Soldaten.

Als erster Kennelmaster wurde noch 1961 Norbert Luckner (1925-2009), damals im Rang eines Senior Dog Handlers, eingesetzt und Ende der 1960er Jahre zum Chargehand befördert, ein damals neuer Rang, der dem eines Sergeants, bzw. eines Feldwebels entsprach. Zurzeit wird noch recherchiert, wann genau Luckner, der somit unmittelbar Heinz Radtke als Chef des Hundezuges unterstand, die Kennelmaster-Prüfung abgelegt hat, oder ob er zunächst nur als Kennel Supervisor, also ohne Prüfung, kommissarisch eingesetzt war.

Es war also das große Ansinnen von Johannes Gohl und seiner Führung, sich den schweren Niederlagen der 1950er Jahre zu entsagen und sich nunmehr den eigenen Prestige-Themen zu widmen. So ist es dem Bestand der Hundestaffel und letztlich dem Ausbildungsniveau und der hohen Motivation der Hunde und Hundeführer zu verdanken, dass die GSO ihren Stellenwert insgesamt halten konnte.

Niemand der Offiziere ahnte, dass sich alles schlagartig ändern sollte und die Einheit in den 1960er Jahren unmittelbar vor ihrer Auflösung stand. Natürlich abgesehen von dem Abzug der Streitkräfte und dem damit verbundenen Ende der Einheit, waren die 60er Jahre der absolute Tiefpunkt in der gesamten Geschichte der GSO/GSU.

 

Wenn Geschichte zuschlägt: Die GSO steht vor ihrer Auflösung

 

Es waren abermals politische Veränderungen, die sich auf die GSO auswirkten und letztlich nicht nur die Kompanie an den Abgrund drängte, sondern auch dafür sorgten, dass sich Staff Superintendent Johannes Gohl nie wieder als Einheitsführer gestärkt behaupten konnte und somit unverdient zum „Leiter auf Abruf“ wurde.

Aufgrund des vom amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy zurückgewiesenen Chruschtschow-Ultimatums, in dem der sowjetische Machthaber forderte, die drei westlichen Sektoren der einstigen Reichshauptstadt zu einer „Freien Stadt“ zu erklären und die DDR offiziell anzuerkennen, trafen die Sowjetunion und die DDR Maßnahmen, um dem wachsenden Flüchtlingsstrom gut ausgebildeter ostdeutscher Facharbeiter in den Westen, wirksam entgegenzutreten. Das Resultat einer damals geheimen Besprechung zwischen Nikita Chruschtschow und dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht vom 3. August 1961 ist allgemein bekannt: Gut bewachte DDR-Arbeiter begannen zehn Tage später, den Ostsektor mit Sperranlagen, Mauerwerk und Stacheldraht abzuriegeln. Die Berliner Mauer entstand und teilte die Viersektorenstadt in zwei große Gebiete auf: Berlin (West) und das fälschlicher Weise als „Ostberlin“ bezeichnete Territorium der sowjetischen Besatzungszone.

Was weniger bekannt aber dennoch dokumentiert ist, ist die Tatsache, dass die ersten Anzeichen des bevorstehenden Mauerbaus bereits am 12. August in den westlichen Sktoren durch Behörden festgestellt wurden, ohne jedoch, das tatsächliche Ausmaß der Aktionen zu begreifen.

Im Britischen Sektor handelte es sich bei dem "Erstmelder" um den Militärpolizisten Frederick W. Pallister (1928-2015). Der 33jährige Sergeant, der im Frühdienst als Urlaubsvertretung die Rolle des Company Sergeant Major (CSM) innehatte, kontrollierte seine Leute im Bereich des Potsdamer Platzes, der zu jener Zeit die freie Welt vom kommunistischen Machtbereich trennte.

Zusammen mit einer Streifenbesatzung bemerkte Pallister fünf DDR-Grenzsoldaten, die auffällige Löcher buddelten. Nach einer abgesetzten Meldung erhielten sie die Order, vor Ort zu verbleiben und weiter aufzuklären. Gegen Mittag wurden vor den Augen der Militärpolizisten Holzpfähle in die vorbereiteten Löcher versenkt und im Anschluss Stacheldraht angebracht.

 

PotsdPlatz Aug61

13. August 1961: DDR-Grenzer sperren am Potsdamer Platz die Sektorengrenze

 

Der weitere Lauf der Dinge ist Geschichte und wurde am Folgetag, dem berühmten 13. August 1961, an der gesamten innerstädtischen Demarkationslinie umgesetzt. Frederick W. Pallister musste mit seinen Leuten 48 Stunden vor Ort verbleiben und verlegte dann in das britische Hauptquartier. Die Royal Military Police wurde daraufhin durch weitere 20 Militärpolizisten in Berlin verstärkt.

Auch für die GSO waren die Auswirkungen spürbar, wobei dies harmlos formuliert scheint.

Unzählige Mitarbeiter der Einheit schieden aus. Zum einen, weil sie sich zum Zeitpunkt des Mauerbaus im Ostsektor aufgehalten haben und nicht zurückkehren konnten und zum anderen, weil die daraus resultierende wirtschaftspolitische Situation Berlins eine ganz neue war.

Nicht nur der GSO fehlten unzählige Mitarbeiter, so auch den anderen klassischen Arbeitgebern, die jedoch die große Möglichkeit hatten, mit gut dotierten Jobangeboten locken zu können. Auch der öffentliche Dienst war durch den plötzlichen Mauerbau mit einem großen Fehlbestand behaftet. Er war zwar durch die Alliierten gesteuert und beaufsichtigt, musste jedoch seine entstandenen Lücken schnellstmöglich schließen und warb ebenfalls mit herausragenden Gehältern.

Dieser Umstand war für die GSO, die ihre Gehaltsstufen hielt und nicht anpassen durfte, fast das Todesurteil gewesen. Unzählige Guards wechselten in die freie Wirtschaft und nahmen wieder Tätigkeiten in deren erlernten Berufen auf. Ebenso einschneidend waren die Abgänge zur Berliner Polizei, die die GSO-Angehörigen mit offenen Armen einstellten und erheblich besser bezahlten.

Einige, die zurückblieben, waren entweder Männer, die mit Herzensblut an der Einheit hingen oder solche, die bereits hohe Positionen erreicht hatten, bei deren Bezahlung kein Arbeitsgeber von außen locken konnte. Die meisten GSO-Angehörigen, die einen Wechsel versuchten, waren aber zumeist an den Einstellungsvoraussetzungen der Polizei gescheitert oder hatten keine erlernten Berufe vorzuweisen, in denen sie hätten wechseln können.

In einem Bericht aus dem Jahr 1975 heißt es, dass sich die Einheit zu jener Zeit in einem „desolaten Zustand und einer Phase der Selbstauflösung“ befand.

Johannes Gohl und seiner Führung war es nur schwer möglich, diesem katastrophalen Zustand entgegenzutreten. Zu groß waren Missgunst und Unzufriedenheit in der Truppe, die bei schärferen Bedingungen und gleicher Bezahlung ihren Dienst weiter zu verrichten hatte.

Die Disziplin und der gesamte Standard der Einheit hatten einen Tiefpunkt erreicht, der beinahe zur Auflösung der GSO geführt hätte.

Historisch betrachtet, ist der Fortbestand der GSO mit Sicherheit nur darin begründet, dass die britischen Streitkräfte ihre eigenen Soldaten vornehmlich für originäre Aufgaben einsetzen wollten. Eine zusätzliche Objektschutz-Belastung in einer Stadt, in der sich die feindlichen Panzer quasi unmittelbar gegenüber standen, kam also überhaupt nicht in Betracht.

Selbst die Berliner Polizei, deren Einsatzkommandos der Bereitschaftsabteilungen im Verteidigungsfall auf die westlichen Brigaden verteilt worden wären, hätten die Briten mit mehr als 400 Mann verstärkt. Zu jener Zeit waren die Polizeibeamten ohnehin noch an klassischen Kriegswaffen ausgebildet und mit diesen ausgerüstet gewesen.

Es war also das große Glück von Johannes Gohl, dass die britische Militärregierung an der GSO festhalten musste. Seine ihm übertragende Aufgabe lag nunmehr darin, die Einheit von Innen wieder zu stärken, da Neuzugänge kaum denkbar erschienen.

Ein weiteres Problem, wenn auch politischer Art, war die drohende Sicherheitslage Deutschlands, die sich vor allem in Berlin wiederspiegelte. Keine Stadt der Welt beheimatete in den 1960er Jahren mehr feindliche Spione als das geteilte Berlin. Auch die Angehörigen der GSU erhielten immer höhere Vorgaben, die sich auf versuchte Kontaktaufnahmen oder Aufenthalte in den Staaten des Warschauer Paktes bezogen. Die Einstellungsvoraussetzungen und Überprüfungen des britischen Sicherheitsdienstes waren enorm. Spektakulär war die Festnahme von Chief Superintendent Hans Horn durch DDR-Genzsoldaten, der mit seiner Ehefrau die Berliner Gewässer mit einem Kleinboot befuhr und im Bereich Moorlake durch Angehörige der DDR-Grenztruppen auf das Hoheitsgebiet der sowjetischen Besatzungszone abgedrängt und festgenommen wurde. Während Frau Horn relativ schnell in den Westen abgeschoben wurde, ist der stellvertretende Einheitsführer zwei Tage in Potsdam festgehalten und stundenlang vernommen worden, ehe auch er offiziell überstellt wurde.

Einzelfälle, in denen GSU-Angehörige zielgerichtet durch DDR-Organe angesprochen wurden, kamen vor und sind belegt.

In den nächsten Jahren beruhigte sich die Lage im politischen Deutschland und somit auch in Berlin etwas. Die Teilung der Stadt war nicht akzeptiert, aber dennoch ein Teil des täglichen Lebens geworden.

Auch die Entwicklung des Arbeitsmarktes beruhigte sich und somit wirkte sich dies auch auf die GSO aus. Tatsächlich setzte Gohl alles daran, die Aufgaben zu meistern, indem er auf die Integrität und den persönlichen Einsatz alt bewährter Mitarbeiter aus den Reihen der Unteroffiziere und Gruppenführer setzte.  

 

Neuer Name, neuer Status: Die GSU wird Wachpolizei

 

Die Zeit der GSO als Pioniereinheit endete 1964 mit der neuen Anbindung an das Kings Owen Yorkshire Light Infantry Regiment und dem Kommandowechsel von Major Ruchbrooke zu Major L. S. Ratmons. Somit hatte die Einheit inzwischen ihr sechstes Regiment und den ebenfalls sechsten Regimentskommandeur erhalten. Diese Zeitphase stand jedoch, trotz Rückkehr zur Infanterie, nicht allzu sehr unter einer Ideenfindung des kommandierenden Majors, denn sein 1881 gegründetes Regiment, stand zu jener Zeit bereits selbst zur Disposition.

Insofern scheint erklärbar, weshalb es bereits 1967 einen erneuten Wechsel gab und die Anbindung an das inzwischen siebente Regiment folgte.

Das Kings Own Regiment wurde schließlich 1968 tatsächlich aufgelöst, dessen Tradition und Geschichte übrigens in das 2007 in Dienst gestellte neue Infanterieschützenregiment The RIFLE überging.   

Es erschien bereits 1967 skurril, dass die GSO nunmehr dem 1918 gegründeten Royal Army Ordnance Corps (RAOC) zugeschlagen wurde, einem Versorgungs- und Instandsetzungsregiment, das unter Kommando von Major D. M. Cain stand, der somit neuer Regiments-Chef der GSO war. Diese Einheit, die übrigens 1993 in das neue Royal Logistic Corps (RLC) integriert wurde, hatte den Auftrag, im Ernstfall die Versorgung mit Waffen, Fahrzeugen, Munition und anderen technischen Gegenständen zu gewährleisten und ggf. zu reparieren.

Aber letztlich stellte sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit kaum und wurde meist nur auf organisatorische Gegebenheiten zurückgeführt. Bis zum Ende des Jahrzehnts blieb die German Service Organisation dem RLC zugehörig.

Ende der 1960er Jahre hatte es Gohl zwar geschafft, wieder regelmäßig neue Rekruten einstellen zu können und das „fast sinkende Schiffe“ vor dem Untergang zu bewahren, dennoch drängte die Militärregierung ganz offen auf einen wirklichen Neuanfang – also auch mit einer neuen Führung.

Das Ende des Jahrzehnts stand im Zeichen großer Veränderungen. So gab es nicht nur einen Stabswechsel an der Spitze der Einheit, sondern auch einen neuen Einheitsnamen und erstmals einen britischen Verbindungsoffizier, dessen Einzug in den Kompanieblock zunächst zu starkem Unbehagen geführt hat.

Ob bestimmte Abläufe absichtlich oder sich zufällig in die Chronik der GSO einfügten ist derzeit noch unklar, jedoch erhielt die bisherige Wacheinheit der German Service Organisation Berlin, die ihren Zusatz „WS“ schon seit Jahren nicht mehr führte, im Sommer 1968 einen neuen Einheitsnamen: „German Service Unit“ (GSU).

Diese Umstellung alleine schien zunächst wenig spektakulär, trotz vieler logistischer Neuerungen. Denn nicht nur Schilder, Aufkleber und Stempel mussten neu beschafft werden, sondern auch Applikationen an den Uniformen, was teilweise zu einem leicht veränderten Outfit führte.

 

GSO-Stoffbadge Mtze

Neues Stoffabzeichen der GSU (Mützen-Ausführung)

 

Neu aber war vor allem, dass mit dieser Umstellung, so belegen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1981, die Einheit den Status einer Security Guard Unit erhielt, was in der militärisch-statusrechtlichen Zuordnung formal einer ordentlichen Wachpolizei entsprach. Aus heutiger Sicht kaum ein erkennbares Unterscheidungsmerkmal, dennoch hatte dies innerhalb des Militärs eine erhebliche Aufwertung bedeutet. So wurde der GSU innerhalb der Brigade ein Polizeistatus zuerkannt. Man bedenke auch, dass die GSU-Guards bereits damals mit unterladenden Waffen, also eingeführtem Magazin, ihren Dienst versahen, während vergleichbare Einheiten Munition nur in begründeten Fällen in ihre Waffen einführen durften.

Änderungen ergaben sich auch bei der Anordnungskompetenz polizeilicher Maßnahmen. Dazu gehörten insbesondere das Recht der Erteilung von Platzverweisen, Identitätsfeststellungen, die Sicherstellung von Sachen sowie die Durchsuchung von Sachen und Personen – letzteres allerdings nur auf Anordnung.

Darüber hinaus erhielten die GSU-Guards das Recht zur Durchführung von Ingewahrsamnahmen, also im weitesten Sinne der vorläufigen Festnahme. Bislang waren solche Eingriffe für Deutsche auf britisch-militärischem Boden einfach „nicht vorgesehen“. Vergleichbare Einheiten hatten diese Möglichkeiten nur eingeschränkt. Für die steifen 1960er Jahre war dies, von vielen oft unbemerkt und auch belächelt, eine kleine Revolution in der Berliner Brigade. Diese neue Weisungslage wurde im Oktober 1982, mit der Anbindung an die Militärpolizei, für die GSU nochmalig intensiver geregelt. Insbesondere erhielten die Guards später die Möglichkeit, ihre ihnen bisher zustehenden Maßnahmen auch im Sofortvollzug, unter Anwendung von unmittelbaren Zwang, gegenüber Dritte durchzusetzen.

Modifiziert wurden fast alle Dienstgradbezeichnungen der Mannschafts- und Unteroffiziersränge, wobei es vor allem seltsam erschien, dass gerade im Rahmen der Anhebung zu einer Wachpolizeieinheit, ausgerechnet diese, eher befremdlichen neuen Rangbezeichnung eingeführt wurde.

So wurden die Männer nach ihrer bestandenen Grundausbildung und der erfolgreich absolvierten Probezeit, nicht mehr zum Tradesman 2, sondern zum Security Guard befördert. Dieser GSU-Rang entsprach bereits dem eines britischen Lance Corporal und somit formal um den höchsten Mannschaftsdienstgrad im militärischen Sinne. Auch dies steht klar für eine Aufwertung der GSU. Letztlich wurde diese Rangbezeichnung aber für eher unglücklich betrachtet, da der Begriff "Security Guard" im allgemeinen Verständnis mehr für eine Dienststellung, als für einen Rang steht.

Neu war auch der nächste Beförderungsdienstgrad Senior Security Guard, der einem britischen Corporal entsprach und bereits zu den Unteroffiziersrängen zählte. Zugleich war dieser Rang das Spitzenamt, das aktive Hundeführer bei der GSO erreichen konnten. Deren Dienstgrade wurden durch den Zusatz „DH“ ergänzt, was auf den englischen Begriff Dog Handler (Hundeführer) zurückzuführen war.

Ebenfalls neu geschaffen wurde der Rang des Chargehand, der einem Sergeant entsprach und zumeist der Funktion eines Gruppenführers aber auch Stabspositionen zugewiesen war. Schließlich wurde der bisherige Head Foreman in die neue Bezeichnung Senior Foreman abgeändert. Die Dienstgradabzeichen selbst, wurden wegen der Änderungen neu zugeordnet, veränderten ihr Aussehen jedoch nicht.

Eine Übersicht der Uniformen, Dienstgrade, Abzeichen und Applikationen finden Sie demnächst hier.

In erster Linie erfreulich war die Aufwertung in eine Wachpolizei für die GSU-Männer deshalb, weil auch der Berliner Tarifvertrag einen solchen Statuswechsel mit höherer Entlohnung berücksichtigte.

Somit wurden nahezu alle Männer der Einheit, die bislang als Zivilbeschäftigte Angestellte (später: „ZB-Personal“) bezahlt wurden, nunmehr in die Gehaltsstufen des Zivilbeschäftigten Sicherheitspersonals als Angestellte (später: „ZS-Personal“) übergeleitet. Ausnahmen bildeten hier nur einige hochrangige Offiziere, die weiterhin als Innendienstpersonal geführt und bezahlt wurden und natürlich auch die klassischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die keinen Außendienst versahen, wie z. B. Küchen-, Verwaltungs- und Schneidereipersonal.

Mit der Aufwertung in den Wachpolizei-Status haben die GSU-Mitarbeiter, je nach Dienstgrad, in den kommenden Jahren monatlich bis zu 300,- DM mehr verdient als vergleichbar ihre Kollegen des amerikanischen Labour Service, die in der ZB-Einstufung verblieben.

Die Einheit hatte also ihren Weg von einer Wachmannschaft zu einer Wachpolizei gemeistert, insofern wurden auch öffentliche Inserate und Zeugnisse fortan mit der Arbeitsbeschreibung „Wachpolizist“ ausgestellt.

Diese statusrechtliche Aufwertung und die stete Förderung der inzwischen hoch geachteten Hundestaffel, gehören zweifelslos zu den großen Erfolgen von Staff Superintendent Johannes Gohl, der 1968, nach 16 Jahren im Amt, den Posten des GSU-Chefs räumte und aus dem Dienst ausschied.

Bis heute ist der genaue Umstand des Weggangs von Gohl nicht bekannt, der gemeinsam mit seinem Stellvertreter Hans Horn die Einheit verließ. Zweifellos sind Gohl und Horn als gute Führungsoffiziere anerkannt gewesen. Es ist jedoch ebenfalls offenkundig, dass es ihnen nicht gelungen war, die innere Ordnung der Einheit nach den Auswirkungen des 13. August 1961 wieder so herzustellen, wie es sich die Militärregierung gewünscht hätte. Zu oft sah man sich mit einer undisziplinierten und nahezu zerrütteten Kompanie konfrontiert.

 

Inspektion61

Inspektion 1961: Tradesman Hans Zarnott (Duty Driver, lins) mit Major Sanders und Bigadier Hamilton (mit weißen Handschuhen). Rechts im Bild: Head Foreman Wolfgang Schiller und Staff Superintendent Johannes Gohl

 

Zudem wurden die mangelnden englischen Sprachkenntnisse von Gohl und Horn seitens der britischen Militärregierung kritisiert und dieser Umstand bei Führungsoffizieren als nicht mehr zeitgemäß betrachtet.

In der Tat ist festzustellen, dass die Amtssprache bei offiziellen Anlässen und Begegnungen stets Englisch war. Und jene Begegnungen nahmen zu, denn, wie jede andere Einheit der Brigade auch, musste die GSU jährliche Inspektionen und Budget-Prüfungen über sich ergehen lassen. Brigade- und Regimentskommandeure oder gar Stadtkommandanten, die sich mit dem Einheitsführer der GSU in deutscher Sprache unterhielten, waren eher rar. Roy Redgrave, Stadtkommandant von 1975 bis 1978, oder Robert Corbett, der von 1989 bis 1990 im Amt war, bildeten hier große Ausnahmen. Ansonsten setzten die jeweiligen Kommandeure natürlich voraus, dass man sich mit ihnen in Englisch zu unterhalten habe.

Johannes Gohl konnte oder wollte sich dem neuen Zeitgeist nicht fügen, wohl wissend auch, dass es genügend junge Offiziere gab, denen die Zukunft der German Service Unit zu gehören schien.

 

Wolfgang Schiller wird GSU-Chef

 

Gohl hat nicht nur Spuren als Förderer des Hundewesens und zu Beginn seiner Amtszeit mit der hohen Ansehenssteigerung der GSU innerhalb der Brigade hinterlassen, er ebnete mit dem neuen Betriebsrat auch eine ordentliche Arbeitsgrundlage für die Angehörigen der Einheit, was für einen gestandenen ehemaligen Wehrmachts-Major nicht einfach war.

Über den weiteren Werdegang des zweiten Einheitsführers sowie seines Stellvertreters Hans Horn, denen es letztlich nicht vermocht war, die GSU aus einem tiefen Loch herauszuholen, ist derzeit leider wenig bekannt und wird weiter recherchiert. Die GSU-Karriere von Johannes Gohl endete nunmehr nach insgesamt 18 Jahren, davon 16 Jahre als Leiter der Einheit. Noch bis in die 1980er Jahre besuchte Gohl gelegentlich seinen Nachfolger in der Smuts-Kaserne.

Noch im selben Jahr (1968) setzte die britische Militärregierung den erst im Januar beförderten 38jährigen Superintendent Wolfgang Schiller als neuen Einheitsführer ein.

 

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Der neue Einheitsführer: Staff Superintendent Wolfgang Schiller (1969)

 

Der in Breslau geborene Schiller war gelernter Schuhmacher und wurde zwischen Januar und Mai 1945 noch zum Volkssturm und später zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet, ehe der schreckliche Krieg letztlich sein Ende fand.

Mit Aufstellung der neuen Einheit wurde Schiller zum 1. Dezember 1950 als Tradesman II in die GSO eingezogen. Von Freiwilligkeit war zunächst keine Rede. Doch die ersten Männer der GSO nutzten ihre große Chance nach Kriegsende, um eine der relativ gut bezahlten Stellen zu erhaschen.

Nach seiner sechswöchigen Grundausbildung wurde Schiller im März 1951 zum Tradesman I befördert und erhielt eine Stelle in einem Zug einer Wachkompanie. Mit Errichtung der Hundestaffel im Jahr 1952 absolvierte er eine Ausbildung als einer der ersten Hundeführer der GSO und wurde im Oktober 1955 zum Chargehand und im Dezember 1956 zum Foreman befördert.

Der damalige Dienststellenleiter Johannes Gohl gehörte zu den Unterstützern Schillers und beförderte ihn im Januar 1959 zum Head Foreman. Mit diesem Rang übernahm er auch den brisanten Posten des Diensteinteilers.

Im Januar 1968 wurde Schiller Superintendent und war somit unter Gohl als Offizier in der Kompanieführung tätig.

Mit Superintendent Wolfgang Schiller trat 1968 ein Einheitsführer sein Amt an, der es taktisch kaum hätte besser treffen können. Nicht nur, dass die Akzeptanz seiner Person, insbesondere wegen dessen englischen Sprachkenntnisse und der langjährigen Dienstzeit bei der Militärregierung hoch war, so war es auch ein glücklicher Umstand, dass er sich seine Führungs-Crew förmlich zusammenstellen konnte, denn 1969 schieden viele Offiziere und entscheidende Unteroffiziere wegen Erreichen der vorgeschriebenen Altersgrenze aus dem aktiven Dienst aus.

So übernahm 1968 Schillers Lehrgangskamerad Ulrich Jäckel den Posten des Quartiermeisters, den bislang Rudi Unrat innehatte. Unrat selbst verließ die Einheit und wanderte in die Vereinigten Staaten aus.

Zum Ende der Jahrzehnts begann somit nochmals ein großes Stühle rücken, um die German Service Unit weiter voran zu bringen und die immer wachsenden Herausforderungen qualifiziert anzunehmen.

 

Militärregierung setzt Verbindungsoffizier ein

 

Das seitens der Militärregierung in Wolfgang Schiller gesetzte Vertrauen war anerkennend hoch. Dokumente belegen die große Unterstützung der Brigadeführung. Dennoch wollte man sich offenbar auf britischer Seite absichern, um rechtzeitig möglichen Defiziten in Moral und Disziplin frühzeitig entgegentreten zu können. Einen Super-GAU wie in den letzten Jahren, sollte es nicht mehr geben. Es lag im klaren Interesse der britischen Militärregierung, die GSU in eine vorzeigbare und qualitativ hoch ausgerichtete Kompanie zu wandeln. Bemerkenswertes ist hierbei auch, dass der Umstand der „Disziplinlosigkeit“ zu jener Zeit als expliziter Begriff in den Katalog für die Anwendung von Disziplinarmaßnahmen aufgenommen wurde.

Insgesamt ist also nachvollziehbar, dass Ende 1968 bei der GSU, deren Stärke durch Neueinstellungen wieder stetig wuchs, ein neuer (britischer) Dienstposten geschaffen wurde: Beim British Supervisory Element (BSE) handelte es sich, -frei übersetzt- um eine „Dienstaufsichtsführende Stelle“. Dieser schon etwas einflößende Titel tauchte erstmals mit dem Aufstellungsbefehl der damaligen GSO im Oktober 1950 auf, als die neue Einheit unter das Kommando des ersten Kommandeurs Major Steel gestellt wurde.

1968 ging es aber definitiv nicht um ein Unterstellungs-Verhältnis; beim BSE handelte es sich letztlich nicht mehr und nicht weniger als um die Position eines britischen Verbindungsoffiziers, der formal ein Bindeglied zwischen der GSU und dem britischem Militär darstellte.

Eine Weisungskompetenz hatte der BSE gegenüber GSU-Chef Schiller nicht, der in der späteren Zeit sogar Einfluss auf die jeweilige Bestellung des Verbindungsoffiziers nehmen und den Vorgeschlagenen auch durchaus ablehnen konnte.

Der Verbindungsoffizier, der wegen dessen exponierten Stellung in der Truppe nur als RSM (Regimental Sergeant Major) bezeichnet wurde, stand grundsätzlich im Range eines Warrant Officer Class 1 und war somit einem deutschen Oberstabsfeldwebel vergleichbar. Daher handelte es sich tatsächlich um keinen Offizier, sondern um einen ranghohen Unteroffizier, der jedoch innerhalb der GSU eine wichtige Rolle einnahm. Realistisch betrachtet, war dieser also eher ein klassischer Liaison Officer.

Das Einsetzen dieses Verbindungsoffiziers unterstrich aber, von vielen nicht wirklich erkannt, auch die durch die Statusänderung erfolgte Anhebung zu einer Wachpolizei, denn die BSE wurden, mit nur zwei Ausnahmen, von der Royal Military Police gestellt.

Ein Dokument der Brigade belegt zudem, dass nur erfahrende Unteroffiziere in dieser Position eingesetzt werden durften. An der Stellung und der Notwendigkeit der GSU ließ niemand auch nur einen Hauch eines Zweifels. Dies stellte ein klares Bekenntnis der Militärregierung zur GSU dar und ebnete somit weiterhin den Fortbestand der Kompanie.

Erster Amtsinhaber als Verbindungsoffizier wurde WO1 Terry Clift, der im Block 34 ein eigenes Büro bezog und seinen Dienst somit im Stab der GSU verrichtete. Clift wird heute noch als ein höflicher und sehr offener und freundlicher Mann bezeichnet und war zudem ein enger Freund des britischen Sergeants Frederick Pallister, der am 12. August 1961 Zeuge der ersten Baumaßnahmen der Berliner Mauer im britischen Sektor wurde.

Pallister und Clift dienten zusammen in Hong Kong, eher die beiden Sergeants nach Berlin versetzt wurden. Pallister selbst blieb bis 1963 in der besetzten Stadt, eher er wieder nach Großbritannien versetzt wurde. Terry Clift, der später die Stelle bei der GSU antrat, war u. a. Gast bei der Hochzeit von Frederick Pallister, der die Berlinerin Hannelore heiratete.

Auch wenn sich die Zusammenarbeit zwischen der Einheitsführung und den Verbindungsoffizieren mit der Zeit als außerordentlich nützlich und positiv auswirkte, so bestand bei Entsendung des ersten BSE noch großes Misstrauen, was sich allerdings schnell verzog. Es ist überliefert, dass sich Schiller und Clift sehr gut verstanden und somit eine gute Teamarbeit entstand.

 

Neue Führung setzt Akzente

 

Wolfgang Schiller (1930-2009) wurde im Januar 1969 zum Chief Superintendent und bereits im September desselben Jahres zum Staff Superintendent befördert und erreichte somit bereits nach 19 Dienstjahren das höchste Amt in der GSU.

Zugleich ließ er taktisch klug, im Einvernehmen mit der Militärregierung, die wichtigsten Führungsposten neu besetzen.

Superintendent Heinz Radtke wurde zum Chief Superintendent befördert und als neuer „Leiter Guard Coy“ eingesetzt, was ihn somit automatisch zum stellvertretenden Einheitsführer machte. Die Stellung des „2 IC“ hatte er bereits seit einem Jahr kommissarisch ausgeübt, was auf eine Vorgabe des britischen Personalamtes für Zivilbeschäftigte (PCLU) zurückzuführen war. Zugleich blieb Radtke Chef des Hundezuges, der nicht mehr selbstständig durch einen Unteroffizier geführt werden sollte, da die Hundeführer ohnehin in die regulären Wachzügen integriert waren. Die Sparmaßnahmen und die dünne Personalstärke wurden auch bei den oberen Offiziersrängen deutlich, denn Radtke war fortan der einzige Offizier im Range eines Chief Superintendent.

Ebenfalls umgesetzt wurde der bisherige Quartiermeister Superintendent Ulrich Jäckel (1925-2013), der nunmehr die Schlüsselposition des „Leiter ADMIN“, also des Personalchefs der Einheit übernahm.

Der sprachkundige Superintendent Hans Korth (1923-2013) übernahm den gesamten Bereich „Übersetzung“ und war außerdem als Unterrichtender bei den Rekruten eingesetzt, der wiederum die beiden Ausbilder Robert Rühe (1914-2000) und Werner Nowka (1925-1992) in bestimmten Fächern unterstützte. Assistent Superintendent Horst Wagner folgte wiederum Ulrich Jäckel auf dessen bisherigen Posten des Quartiermeisters.

 

Clift-Schiller-Radtke

Terry Clift (Mitte) mit Staff Superintendent Wolfgang Schiller und Chief Superintendent Heinz Radtke (rechts)

 

Lediglich auf einen Protagonisten der 1960er Jahre musste Schiller verzeichten: Superintendent Kuno Röder, seit Aufstellungsbeginn mit dabei und in der Truppe fest verwurzelt, der seinem Freund Heinz Radtke noch im Herbst 1967 als Trauzeuge zur Seite stand, erschien im Januar 1968 unerwartet nicht zum Dienst. Nachdem man sein Quartier im Kompanieblock 34 aufsuchte, fand man den GSU-Offizier leblos auf. Mit nur 45 Jahren war Röder, dessen Frau bei der Einheit als Verwaltungsangestellte tätig war, vollkommen unerwartet eines natürlichen Todes gestorben.

Mit seiner jungen Crew startete der dritte Einheitsführer in das neue Jahrzehnt der 1970er Jahre. Mit zwei großen Vorhaben steuerte er die wesentlichen Wendepunkte der damaligen Zeit an. Zum einen raufte er sich mit den Betriebsratsvertretern Stolle und Ziegfeld zusammen. Es war dem neuen GSU-Chef wichtig, entscheidende Verbesserungen für die Beschäftigten zu erreichen und deren Motivation und innere Identität zur Truppe zu stärken, was u. a. auch zur Einführung neuer Leistungs- und Zugehörigkeitsabzeichen und flexibleren Dienstzeiten führen sollte. Man bedenke, dass sich die zivilen Beschäftigten bei den Alliierten noch immer nicht gewerkschaftlich vertreten lassen konnten und organisatorisch an die Betreuungsgemeinschaft e. V. angebunden waren, die wiederum ihren Sitz im Bundesgebiet hatte und lediglich Vertrauensleute in Berlin unterhielt.

 

Ausweis-BetrG

Ausweis der Betreuungsgemeinschaft mit Unterschrift des GSU-Betreuers Günter Kanitz

 

Der Umbruch in der GSU, in der man seit 1950 treu nach dem verliehenen Wahlspruch Mut und Wachsamkeit diente, sollte den Einzelnen stärken. Es sollte ein Umbruch sein, der sich als Neuanfang auszeichnete, denn immer deutlicher wurden Fragen nach der wahren Identität der Einheit. War die GSU eine britische Einheit, die sich aus Deutschen zusammensetzte oder war sie eine deutsche Einheit, die leiglich beim britischen Militär angesiedelt und für dieses tätig war? Wie verhielt es sich mit dem Status eines Zivilbeschäftigten, trotz Bewaffnung und Uniformierung und warum verweigerte man den Guards die Anerkennung des Öffentlichen Dienstes, wenn die GSU doch eine deutsche Einheit war?

Viele Fragen, die der neue Dienststellenleiter anzugehen hatte.

Zum anderen griff der Staff Superintendent nach einem Prestige-Projekt, das die Einheit nicht nur nach Innen stärken, sondern die GSU insgesamt in den Blickpunkt aller wichtigen Entscheidungsträger der Brigade rücken sollte.

Für Wolfgang Schiller sollte dieses Vorhaben sein größter Achtungserfolg im neuen Jahrzehnt werden. Etwas, was keiner anderen vergleichbaren Einheit jemals gelungen war…

 

 

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(Informationen zu den 1970er Jahren werden derzeit erstellt!)

 

 

 

 

Stand: 9. Dezem

Die Kameradschaft 248 German Security Unit e. V. ist seit August 2013 Vollmitglied der Royal Military Police Association und der einzige Verein, der seitens der britischen Militärpolizei als Repräsentant der ehemaligen German Security Unit und für deren geschichtliche Darstellung anerkannt wird.