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Luftbrücke: Schlechter Umgang mit Geschichte

 

Einen bitteren Beigeschmack hatte heute eine Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der zweiten Berliner Luftbrücke, zu der die US-amerikanische Berlin-Veteranenvereinigung und das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg einluden.

In der Vorplanung der Veranstaltung wurden zunächst, neben Kranzniederlegungen namens des Regierenden Bürgermeisters, der britischen und der US-amerikanischen Botschaft, auch solche durch die GSU-Kameradschaft sowie namens des früheren britischen Stadtkommandanten Sir Robert Corbett schriftlich vom Rathaus zugesichert und mit einbezogen, doch kurze Zeit später durch den Vorstand der Veteranenvereinigung wieder storniert.

 

Geladener Gast: GSU-Vorstandsmitglied Uwe Krumrey (Foto: GSU/Schanz)

 

Initiiert wurden die beiden Zusatzpunkte durch GSU-Pressesprecher Carsten Schanz, der als Vertreter der CDU-Fraktion von Tempelhof-Schöneberg geladen war.

Seitens der GSU-Kameradschaft wird das Vorgehen der Veteranenvereinigung scharf kritisiert. Vorstandsmitglied Uwe Krumrey, der an der Veranstaltung ebenfalls teilnahm, zeigte sich enttäuscht vom Vorgehen der US-Veteranen. „Dass man, auch wenn es sich im Ursprung um eine Art Ehemaligentreffen handeln mag, einen nicht-amerikanischen Verein bei einer solchen Veranstaltung ausschließt, ist zwar mehr als dumm und absolut nicht nachvollziehbar, jedoch eine Sache. Einen früheren Stadtkommandanten ebenfalls auszugrenzen, signalisiert allerdings deutlich, dass die Veteranenvereinigung bis heute nicht verstanden hat und vermutlich nicht verstehen will, dass die Berliner Luftbrücke kein amerikanisches, sondern ein alliiertes Projekt war. Wer als Verein ein solches Event auf die Beine stellen will, der muss sich zwangsläufig öffnen und auch britische und französische Vereinsvertreter sowie Militärs zulassen. Alles andere steht für Geschichtsfälschung, Ignoranz und aktuell ganz typisches US-Gehabe, das in diesem Zusammenhang gerade in Berlin nichts zu suchen hat“, sagt Krumrey.

Forciert wurde dies auch durch ausgegebene Veranstaltungs- und Programmflyer, die lediglich die Flaggen der USA und Großbritanniens aufwiesen, jedoch keinerlei Bezug auf Frankreich nahmen. Des Weiteren wurde mit Glockengeläut auch nur den 70 Toten gedacht, die auf US-amerikanischer und britischer Seite zu beklagen waren. „Es scheint nicht bekannt zu sein, dass es auch eine andere betroffene Nationen gab. Denn 13 Deutsche sind ebenfalls im Rahmen der Luftbrücke gestorben“, erinnert Krumrey.

Ein Augenmerk richtet sich nun auch auf Tempelhof-Schönebergs Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, die als Mitausrichterin den US-Verein nicht ausgebremst hat. „Auch Frau Schöttler scheint sich der Bedeutung der zweiten Berliner Luftbrücke nicht bewusst zu sein und ignorierte sogar eine schriftliche Eingabe. Wer einem Robert Corbett den Wunsch einer Kranzniederlegung abspricht, der missachtet auch die massive britische Beteiligung an der Air Bridge, der missachtet die Verdienste von Rex Waite, ohne dessen logistischen Beitrag die Luftbrücke nicht stattgefunden hätte, der verkennt die Verdienste der tapferen britischen Piloten, die die waghalsigsten Flugmanöver zu absolvieren hatten und der beschädigt das Ansehen der zahlreichen britischen Opfer, denn sie waren es, die mit Abstand die meisten Toten zu beklagen hatten. Frau Schöttler wurde hierauf schriftliche hingewiesen und hat trotzdem nicht gehandelt und die Luftbrücke zu einer reinen Clay-Aktion verkümmern lassen. Das Verhalten dieser Bürgermeisterin ist von geschichtlicher Ignoranz und Unfähigkeit kaum zu übertreffen“, sagt Carsten Schanz.

Kopfschütteln gibt es in dieser Sache von allen Seiten. Auch Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank und der ebenfalls anwesenden britischen Luftwaffenattaché Roland Smith können den Vorgang nicht nachvollziehen. Gleiches gilt für einem Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums, der inzwischen mit dem GSU-Verein das Gespräch suchte.

Wir erinnern: Die im Juni 1948 in den deutschen Westsektoren umgesetzte Währungsreform führte zur Blockade sämtlicher Verkehrswege von und nach West-Berlin durch die Sowjetunion. Daraus resultierte am 24. Juni die zweite Berliner Luftbrücke durch die USA, Großbritannien und Frankreich, die bis zum 12. Mai 1949 durchgehalten wurde und die Versorgung der Berliner Bevölkerung mit den wichtigsten Gütern und somit das Überleben unzähliger Menschen gewährleistete.

Wegen einer Wegeblockade waren die US-Amerikaner und die Briten bereits im April 1948 für wenige Tage zur Umsetzung der sogenannten „Kleinen Luftbrücke“ gezwungen, die ebenfalls erfolgreich umgesetzt wurde und aus deren Erfahrung der Chef der britischen Luftwaffe in Berlin, Reginald „Rex“ Waite, die logistischen Vorbereitungen für eine mögliche westsektoren-weite Blockade ausarbeitete, die schließlich schon im Juni eintrat.

Das Wirken von Waite hatte der GUARD REPORT im scheinbar noch immer sehr aktuellen Artikel "Wenn das Wissen bröckelt" bereits im Mai 2014 thematisiert.

„Wir haben, um das ansonsten sehr würdige Event in seiner Bedeutung nicht zu stören, im Vorfeld keine weiteren Schritte ergriffen“, sagt GSU-Vorstand Uwe Krumrey bitter enttäuscht. Doch jetzt nimmt sich eine Fraktion der Sache an und lässt die Bürgermeisterin durch die Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg befragen, die sich dann äußern und erklären muss. Auch eine Abgeordnetenhausfraktion ist bereits in den Vorgang involviert worden. (red1)

 

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